09 | Knollen & Einhornhöhle

Höhen, Höhlen und Ruinen

Über den Großen Knollen zur Ruine Scharzfels und zur Einhornhöhle

IMG_1190Wer ein großartiges Panorama mit den weiten Wäldern und erhabenen Höhenrücken des Mittelharzes zwischen Harzvorland und Brocken genießen möchte, muss bei gutem Wetter auf den 687 m hohen Großen Knollen steigen. Auf dem Rückweg gibt es als Dreingabe noch eine imposante Burgruine sowie die berühmte Einhornhöhle zu besichtigen, in der schon der Neandertaler hauste.

Anspruch    ++
Gehzeit        4.30 Std.
Länge        18 km

Der Anstieg auf den Großen Knollen ist zwar lang, aber mit Erholungsintervallen gut durchsetzt. Die Wege sind überwiegend gut, beim steilen Abstieg von Ruine Scharzfels u.U. Rutschgefahr.

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unterwegs:

Erste Sehenswürdigkeit ist die Steinkirche. Die 6 m hohe und etwa 30 m tiefe Dolomithöhle wurde schon vor über 10.000 Jahren von steinzeitlichen Rentierjägern genutzt. Vom 8.-15. Jh. diente die Höhle als christliche Kirche, wovon eine ausgemeißelte Altarnische und ein Weihwasserbecken links des Eingangs zeugen.

Baldbieten sich prächtige Ausblicke von dem mit Dolomit-Klippen besetzten Bergrücken. Auf der hintersten, dem Jahn-Felsen, erinnert das 1952 zum 100. Todestag errichtete Denkmal für »Turnvater« Jahn (1778-1852) an jenen Vorkämpfer der anti-napoleonischen Nationalbewegung, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, das Volk in Bewegung zu setzen – was nicht zuletzt auch politisch gemeint war. Sein Wahlspruch »Frisch, fromm, fröhlich, frei«, spiegelt sich in den vier stilisierten F, aus denen das »Turnerkreuz« auf dem Denkmal gebildet ist.

Nach 30 Min. erreichen wir schließlich das Fliegerdenkmal unter einer mächtigen Fichte. Es erinnert an zwei tschechische „Olympiaflieger“, die am 30. Juli 1936 während des internationalen Sternflugs nach Berlin anlässlich der zwei Tage später eröffneten Olympiade hier abstürzten.

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Vom 1904 errichteten Turm auf dem Großen Knollen (2.15 Std.) genießt man eine außerordentlich gute Rundsicht. Im Nordosten liegt der 20 km entfernte Brocken, im Osten der Stöberhai, im Süden das Eichsfeld, im Westen Herzberg am Harzrand und im Nordwesten schließlich der Acker mit der Hanskühnenburg.

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Wir erreichen den kleinen, turmartigen Dolomitklotz des Frauenstein, der schon im Mittelalter als Ausguck diente. Nach 1759 wurden im Zuge des 7-jährigen Krieges gemauerte Anlagen errichtet, von denen noch Reste erhalten sind. Die Eroberung von Burg Scharzfeld durch die Franzosen im September 1761 wurde erst möglich, nachdem der höher gelegene Frauenstein eingenommen war und die Festung in Reichweite der französischen Artillerie geriet.

Am Wegedreieck geradeaus und dann rechts hinauf zur Burgruine Scharzfels. Mächtige Mauerreste zeugen von der einst als uneinnehmbar geltenden Burg, die nach der geschilderten Eroberung durch die Franzosen gesprengt wurde. Die Freitreppe zur Oberburg ist eine romantische Nachempfindung des 19. Jahrhunderts.

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Der Name der Einhornhöhle rührt von einem kuriosen Mißverständnis barocker Wissenschaftler. Noch Leibniz glaubte 1686, mit einer Grabung in der Karsthöhle – von der seit langem als Einhornfundstätte gemunkelt wurde – die Existenz des Fabeltiers nachweisen zu können. Eine wirkliche Sensation brachte die archäologische Grabungskampagne der Jahre 1985-1988 zu Tage: Neben Knochen von Höhlenbären und anderem Eiszeitgetier wurden altsteinzeitliche Werkzeuge gefunden. Dadurch ließ sich nachweisen, daß die Höhle schon vor rund 120.000 bis vor ca. 70.000 Jahren von Neandertalern bewohnt wurde. Mit anderen Worten: Über zweitausend Generationen von Neandertalern hatten es sich hier lange vor dem Auftauchen des modernen Menschen »gemütlich« gemacht! Die Wohnraumnutzung ging mit Sicherheit noch einige zehntausend Jahre weiter, doch die entsprechenden Sedimentschichten müssen erst noch ergraben werden.

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