14 | Torfhaus & Achtermann

Moore, Klippen, Kaiserweg

Durch die Feuchtgebiete zwischen Bruchberg und Brocken

IMG_1278 - Rotenbeek BellaDie Wanderung führt durch den wasserreichsten Teil des Harzes mit den Mooren des Torfhäuser Hügellandes, dem Quellgebiet einiger bekannter Harzflüsse. Häufig aufziehender Nebel lässt dieses Gebiet zuweilen geheimnisvoll erscheinen, in welchem wir en passant auch die vierthöchste Harzhöhe kennenlernen.

Anspruch    ++
Gehzeit        4 Std.
Länge        16 km

Eher leichte Wanderung auf meist guten Wegen mit ein paar ruppigen, steinigen Passagen, die für die Einstufung »mittelschwer« verantwortlich sind.

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unterwegs:

Der erst zu Beginn des 19. Jh. im romantischen Geist der Zeit so genannte »Kaiserweg« folgt dem Verlauf des »Heidenstiegs«, einem uralten Nord-Süd-Harzübergang, auf dem Kaiser Heinrich IV. bei der Belagerung durch die Sachsen 1073 von der Harzburg an die Werra floh (s. Tour 5). Mit dem Aufschwung des Bergbaus im Oberharz wurde der Heidenstieg zunehmend fahrbar gemacht, bei moorigem Untergrund stellenweise durch Granitplatten wie hier, so daß die Erze auf zweirädrigen Karren übers Gebirge transportiert werden konnten. Daher findet sich seit Mitte des 13. Jh. die Bezeichnung Via »Fahrstraße« für diese Route, welcher der heutige Kaiserweg als markierte Fernwanderstrecke von Bad Harzburg zum Kyffhäuser weithin folgt.

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Bald stehen wir am Fuß der etwa 25 m aufragenden Felsburg (Schutzhütte mit Rastplatz). Die wie eine Blockhalde wirkende Kuppe der Achtermannshöhe (1.45 Std.) wird über einen Treppensteig erklommen. Unmittelbar unterhalb des Gipfels sieht man den anstehenden Granit plötzlich in ein sandsteinartiges, wesentlich dunkleres Gestein übergehen, den Hornfels. Er entstand durch Gesteinsumwandlung beim Kontakt des heißen Granitmagmas mit der in erdgeschichtlicher Vorzeit darüber anstehenden Grauwacke.

Bei klarem Wetter ist die Fernsicht von dieser vierthöchsten Erhebung des Harzes überwältigend: Wurmberg und Brocken markieren die Ost-Nordost-Kulisse, dazwischen die Hohneklippen als Landmarke. Nach Süden schweift der Blick bis zum Gebirgsrand mit dem dahinter liegenden Thüringer Becken. Die ganze Umgegend war in der Eiszeit von einem sich uhrglasförmig über die Landschaft wölbenden Plateaugletscher bedeckt, aus dem nur der Brocken herausragte.

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Wir erreichen den Dreieckigen Pfahl. Nichts deutet mehr darauf hin, daß hier, an der heutigen Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, bis 1990 der Eiserne Vorhang verlief. Der etwa 1,35 m hohe Grenzstein aus Granit stand auf westlichem Gebiet. Als er um 1860 gesetzt wurde, markierte er die Grenze zwischen dem Königreich Hannover und dem Herzogtum Braunschweig. Die ursprüngliche dreieckige Gestalt wurde damals beibehalten. Sie war über verschiedene hölzerne und steinerne Vorgänger aus der Zeit tradiert, als hier die Gebiete des Communion-Unterharzes (Goslar), Braunlages und Elbingerodes aneinandergrenzten und ein „drey Eckjer Pfahl anno 1698“ die Grenzen dieser drei Herrschaften bezeichnete.

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Die Moore bei Torfhaus

Zwischen Brockenmassiv und Acker-Bruchberg-Höhenzug erstreckt sich ein plateauartiges Hochflächengebiet mit kleinen, z.T. kuppenförmigen Erhebungen, das Torfhäuser Hügelland. Im Untergrund steht vorwiegend wasserspeichernder Granitgrus an. Vollgesogen wie ein Schwamm, ist diese Landschaft Ursprung für eine Reihe wichtiger Harzflüsse. Die Bezeichnungen Bodebruch, Oderbruch oder Eckersprung lassen erkennen, in wessen Quellgebiet man sich befindet. – Lange Zeit war diese einsame Landschaft mit ihren kümmerlich wachsenden Bäumen für den wirtschaftenden Menschen uninteressant, bis man glaubte, den Torf als Energieträger für den hohen Brennstoffbedarf der Erzhütten nutzen zu können, deren Existenz durch zunehmende Holzknappheit bedroht war. 1713 wurde daher die Siedlung Torfhaus gegründet, benannt nach dem Haus des Torfschreibers, der beim Torfstechen stets anwesend sein musste. Es war die Blütezeit des Harzer Bergbaus und man hoffte, einen nachhaltigen Ersatz für die knapp werdende Holzkohle gefunden zu haben. Die Torfsoden wurden in großen Trockenschuppen ein Jahr lang getrocknet und dann in Meilern, später auch in eisernen Öfen, verkohlt. Das Ganze erwies sich aber als Holzweg, und der Torfabbau großen Stils wurde hier schon 1786 wieder eingestellt. Daher hatte die Ausbeutung der Oberharzer Moore bei Weitem nicht so weitreichende Folgen wie in den Torfabbaugebieten des Tieflandes, und es kam praktisch nirgends zu einer völligen Trockenlegung oder einem vollständigen Abbau.

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