24 | Tanne & Trautenstein

Durchs alte Heiden- und Hüttenrevier

Über die Höhen zwischen Warmer Bode und Rappbode

Trautenstein vom HoldenskampblickIn dieser Hochflächen-Landschaft sind selbst größere Täler kaum in den Untergrund eingetieft. Blumenreiche Wiesen und leuchtende Laubbäume im Herbst kennzeichnen diesen Teil des Harzes, in dem sich die frühesten Schmelzhütten des Gebirges befanden – und die letzten Heiden…

Anspruch    ++
Gehzeit        5 Std.
Länge        20 km

Eher leichte Wanderung auf meist guten Wegen mit nur geringfügigen Anstiegen, die einzig aufgrund ihrer Länge als mittelschwer eingestuft wurde.

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unterwegs:

Jenseits der Straße lag die bedeutendste mittelalterliche Kupferschmelzhütte im Einzugsbereich der Bode, die Keimzelle Tannes. Urkundlich wurde sie erstmals 1355 erwähnt, bestand damals aber schon viele Jahrhunderte. Bei Bodensondierungen wurden nämlich in 2 m Tiefe Holzkohlereste gefunden, die mithilfe einer C14-Untersuchung auf das 8./9. Jahrhundert datiert werden konnten. Anhand von Schlackeresten ließ sich außerdem nachweisen, dass in späterer Zeit hier Erze aus dem rund 30 km Luftlinie entfernten Rammelsberg (s. Tour 1) verhüttet wurden. Der Grund für den Transportaufwand: Um die großen Bergwerke herum war der Wald schnell abgeholzt und man fuhr das Erz jetzt zur Verhüttung in waldreiche Gebiete, was damals einfacher war, als große Mengen Holz über so weite Strecken zu transportieren. Immerhin mußten beispielsweise zum Erschmelzen von einem Zentner Kupfer ca. 30 Festmeter Holz in Holzkohle umgewandelt werden. Und die weit zu transportieren, verboten wiederum die schlechten Wegverhältnisse: Sie wäre zu Staub zerrieben worden.

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Rechts des Rastplatzes beginnt der Aufstiegspfad zur Ruine Königsburg (1.30 Std.). Von dem kleinen Plateau hat man einen schönen Blick zum Wurmberg und den Hohneklippen, dazwischen lugt die Sendenadel des Brockens über eine der Vorhöhen. – Von der erstmals 1312 erwähnten kleinen Burg ist noch ein Teil des Bergfrieds und der noch gut zu erkennende Burggraben erhalten. Nach umfangreichen Ausgrabungen um 1900 galt die Königsburg als die lange gesuchte Pfalz Bodfeld, was sich in den 1930er Jahren allerdings als Irrtum herausstellte. Bei einer erneuten Grabung hatte man keine Keramik finden können, die älter als aus dem 13. Jahrhundert war. Als wahrscheinlicher Standort der Jagdpfalz Bodfeld gilt heute der Schlossberg unweit Elbingerode (s. Tour 22). Von Fakten unberührt, verortet der lokalpatriotisch inspirierte Text auf der Infotafel das kaiserliche Jagdidyll weiterhin hier. Man kann also getrost alles, was dort über den »geschichtsträchtigsten Ort im Harz« zu lesen ist auf die rund 8 km nordöstlich gelegenen Grundmauern eines Königshofes des 10./11. Jahrhunderts anwenden.

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Wir erreichen bald den Holdenkampsblick (3.15 Std.; Sitzbank). Es bietet sich eine fantastische Aussicht über Trautenstein hinweg zu der Wiesenhochfläche, über die wir bald wandern werden, im Hintergrund das Brockenmassiv. Gendarm Holdenkamp überwachte in den 1920er Jahren von hier oben aus gern seine Trautensteiner, s. Infotafel.

Wir nehmen nun den Abstiegspfad, der bald den hölzernen Glockenturm (aus statischen und akustischen Gründen etwas oberhalb der Kirche erbaut) und wenig später die Holzkirche St. Salvator auf dem Drudenstein erreicht. Ein Besuch des wunderbar ausgeschmückten, 1701 erbauten Gotteshauses mit seinem alten Gestühl, der verzierten Hufeisen-Empore und dem ins Deckengewölbe gemalten Himmelszelt sei dringend empfohlen. Anschließend gehen wir neben der Kirche die Stufen an den Fuß des den Ortsnamen erklärenden Drudensteins hinunter. Er soll ursprünglich Kultstätte einer ominösen »heidnischen Sippe« gewesen sein, über deren Wann und Wie die Heimatforscher im Unklaren sind.

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