32 | Selketal & Falkenstein

Die Schönheit der Selke-Aue

Durchs Selketal auf die Burgen Falkenstein und Anhalt

Harz T32 - Selketal & FalkensteinZunächst wandern wir durch das parkartige Selketal, das besonders im Herbst seine Reize entfaltet, wenn sich das Laub der verschiedenen Baumarten färbt. Dann geht es hinauf zur Burg Falkenstein, wo wir einen tiefen Blick ins Mittellater werfen, bevor uns ein Höhenweg zur Ruine der Burg Anhalt führt, die hoch über dem Ausgangspunkt der Wanderung thront.

Anspruch     ++
Gehzeit        5 Std.
Länge          19 km

Mittelschwere Wanderung überwiegend auf  gut ausgebautem Tal-, später Höhenweg. Anstieg auf verwunschenen, teils ruppigen Pfaden zur Burg Falkenstein und weiter zur Friederikenstraße. Steiler Abstieg von Burg Anhalt auf steinigem Weg. – Nach starken Regenfällen muß für den Aufstieg zur Burg Falkenstein u.U. die angegebene Alternativroute benutzt werden (2 km länger).

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unterwegs:

Wir starten die Tour an der Selkemühle, wo der parkartige Abschnitt des Selketals beginnt. Die heutigen Gebäude der Mühle sind Nachfolger einer 1728 errichteten »Leimufermühle« (Leim = Lehm). Im Bereich des Talbodens wurde nämlich Auenlehm abgebaut, der mit Fuhrwerken auf der heute noch so genannten Leimuferstraße (kurz vor Selkemühle links ab) nach Ballenstedt in die Ziegelei gebracht wurde. Ob die Selkemühle am gleichen Ort steht wie einst die Lehmmühle der hoch über dem Startpunkt liegenden Burg Anhalt, ist umstritten. Sie könnte auch beim rund 600 m weiter gelegenen einstigen Dorf Anhalt gestanden haben. Jedenfalls spielte der Lehm, wie wir noch sehen werden, schon beim Bau der Burg vor fast 900 Jahren eine tragende Rolle: Sie war die erste mit Lehmziegeln erbaute Burg nördlich der Alpen. Und für die effiziente Aufbereitung großer Mengen Lehms durch Zugabe von Sand (»magern«) oder Ton (»fetten«) je nach Konsistenz war eine Lehmmühle unerlässlich, in welcher das Gemisch zur Verarbeitungsreife gebracht wurde.

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Ein kurzer, letzter Anstieg führt hinauf zur Ruine der  Burg Anhalt (4.45 Std.). Ausgezeichnete Informationstafeln erschließen die Reste der um 1150 erbauten Stammburg der Anhaltiner, die eine der mächtigsten Befestigungsanlagen des Harzes war. In Ausmaßen und Gestalt war sie der fast gleichzeitig errichteten Wartburg vergleichbar, mit einem bedeutsamen Unterschied: Ihre aus Backsteinen errichteten Mauern leuchteten rötlich ins Umland, ein absolutes Novum in dieser Zeit. Von dieser Besonderheit leitet sich möglicherweise auch der Name des Geschlechts und der von ihm bewohnten Burg ab, die »ane Holt« (ohne Holz) erbaut wurde…

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Burg Falkenstein

Die »besterhaltene mittelalterliche Burganlage des Harzes« entging während des Dreißigjähirgen Krieges trotz jahrelanger Besatzung durch wechselnde Truppen größeren Zerstörungen. – Trotz vielfacher Veränderungen im Lauf der Jahrhunderte wurde der Charakter einer mittelalterlichen Burganlage bewahrt. Das Museum präsentiert einige der erlesensten Kunstschätze der Harzregion wie die frühgotische Burgkapelle mit ihren einmaligen hochmittelalterlichen Glasfenstern, eine funktionstüchtige gotische Küche und prachtvolle Wohnräume im Stil verschiedener Jahrhunderte. – Das kostbarste Ausstellungsstück dürfte jedoch eine aus dem Jahre 1569 stammende Kopie des Sachsenspiegels sein, den Eike von Repgow (um 1180-1233) zumindest in Teilen hier auf Burg Falkenstein verfasst haben soll. Dieses bedeutendste Rechtsbuch des deutschen Mittelalters markierte den Übergang des bis dahin nur mündlich tradierten Gewohnheitsrechts einzelner Stämme (hier der Sachsen) zur schriftlichen Fixierung. Ohne zunächst gesetztes Recht darzustellen, erlangte der Sachsenspiegel gleichwohl bald gesetzesgleiches Ansehen und bildete die Vorlage für Rechtsbücher anderer Regionen. Die teils in griffigen Sentenzen verfassten Bestimmungen geben eine lebendige Anschauung der Lebensverhältnisse des 13. Jh., wobei es Ausstrahlungen bis in unsere Zeit gibt, etwa bei der Regelung des Überhangs von Bäumen auf Nachbars Grundstück. Sprichwörtlich in Gebrauch ist noch das »Wer zuerst kommt, mahlt zuerst«, womit im Sachsenspiegel der Mühlenverkehr geregelt wurde.

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