05 | Bad Harzburg

Der »Kurpark« über Bad Harzburg

Auf stillen Wegen durch Kultur und Natur

IMG_1118Eine Harzburger Kur zur Linderung von Beschwerden des Bewegungsapparates verlangt eine Tour, die mittels Varianten unterschiedlichen Graden der Mobilität Rechnung trägt. Wer möchte, kann sich daher den Aufstieg zur Harzburg per Seilbahn schenken und sich auf die fast ebene Wanderung durch die Wälder hoch über der Kurstadt beschränken. Durch Verzicht auf eine weitere Gipfelkuppe lässt sich weitere Energie sparen – ohne die Gasthäuser an der Strecke auszulassen…

Anspruch    ++
Gehzeit        4 Std.
Länge        15 (12; 9) km
KARTE

Mittelschwer ist diese Wanderung nur, wenn man den Aufsteig zur Harzburg aus eigener Kraft bewältigt. Wer die Seilbahn benutzt, kann sich auf eine leichte Wanderung (gut 12 km) ohne größere Steigungen auf fast durchweg guten Wegen freuen. Lässt man noch die Kattnäse aus, verringert sich die Strecke auf 9 km.

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unterwegs:

Am Burgtor der Ruine Harzburg [2] (45 Min.) steigt man rechts hinauf in deren inneren Bezirk. Ein historischer Rundweg mit vorzüglichen Informationstafeln erschließt die Anlage. Um 1065 von König Heinrich IV. (Kaiser ab 1084) erbaut, wird sie schon im folgenden Jahrzehnt im Zuge des Sachsenaufstands zerstört und provisorisch wiederhergestellt. Ein Jahrhundert später baut sie Kaiser Barbarossa dann zur Reichsfeste aus. Es folgen Jahrhunderte wechselnder Besitzer, bis der Braunschweiger Herzog 1650/51 die Mauern niederlegen lässt.

Wenn wir über das Plateau weitergehen, ist voraus schon die Canossa-Säule von 1877 zu sehen. Sie sollte an den Bußgang König Heinrich IV. zum Papst achthundert Jahre zuvor (1077) erinnern. Daß das Bildnis Bismarcks auf dem Obelisken prangt, hatte mit jüngsten päpstlichen Forderungen an die deutsche Staatsautorität zu tun: In einer Reichstagssitzung hatte der Kanzler 1872 anlässlich der folgenden Auseinandersetzung mit dem Vatikan den dann zum geflügelten Wort avancierten Ausruf getan: „Nach Canossa gehen wir nicht!“

Vor der Gaststätte erinnert der Uhland-Stein an einen Besuch des Dichters und Politikers im Jahre 1842. Das schmucke Holzhäuschen gegenüber (Harz-Sagen-Halle) beherbergt das vielleicht eigenartigste Kunstwerk der Region: In den Jahren 1928-32 hat der Bildhauer Franz Bergmann hier fünfzehn Harzsagen mit Hilfe von 125 bunt bemalten Marmorfigürchen in einem Eichenholzschrein als szenisches Panoptikum zur Darstellung gebracht. Nachdem das Häuschen jüngst renoviert wurde, wird der Sagenschrein ab 2014 wieder zu besichtigen sein.

Wir treten den Rückweg an der Bergstation der Seilbahn vorbei an. Am bald folgenden Hauptzugang des Burgareals erinnert eine moderne Skulptur an den altsächsischen Gott Krodo, das allseits beliebte Maskottchen Harzburgs. Laut Sachsenchronik von 1492 soll sein Götzenbild hier oben auf Befehl Karls der Großen nach der Unterwerfung der Sachsen umgestürzt worden sein.

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Das Luchsgehege an der Rabenklippe mit Beobachtungsplattform ist Teil eines Wiederansiedlungsprojektes im Nationalpark Harz. Zwischen 2000 und 2006 wurden insgesamt 24 Luchse beiderlei Geschlechts aus Gehegenachzuchten europäischer Tierparks in die Freiheit entlassen, nachdem sie zuvor in einem großen Auswilderungsgehege in den neuen Lebensraum eingewöhnt worden waren. Mittlerweile wurden sie in fast allen Teilen des Harzes gesichtet. Da es auch mit dem Nachwuchs klappte, sind vorläufig keine weiteren Auswilderungen notwendig. – Um für das Projekt zu sensiblisieren, wurde hier nahe der Rabenklippe das Schaugehege installiert, in welchem drei Luchse mit etwas Glück beobachtet werden können. Wer sichergehen will, die scheuen Tiere zu Gesicht zu bekommen, sollte sich zu einer der Fütterungen einfinden, die  samstags und mittwochs um 14.30 Uhr stattfinden (Stand Sommer 2013).

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Bad Harzburg

Heute weiß kaum jemand, dass sich der Ort zu Füßen der Harzburg bis 1892 schlicht Neustadt nannte. Einen ersten Aufschwung hatte die Siedlung mit der Entdeckung einer Solequelle 1569 genommen, die zunächst der Salzgewinnung diente. Fast 300 Jahre lang wurde das weiße Gold in mehreren Siedehäusern gesotten. Als während der Biedermeierzeit die Sommerfrische als Jungbrunnen des erstarkenden Bürgertums in Mode kam, fanden sich die ersten Kurgäste in Neustadt ein. Der Umschwung nahm dann ab 1841 mit der von Braunschweig kommenden Bahnlinie deutlich an Fahrt auf. Schon 1851 wurde die Salzgewinnung eingestellt und die Solequelle für den Bade- und Kurbetrieb freigegeben. Eine rasante Entwicklung setzte ein. Nach dem Vorbild der großen europäischen Bäder entstand vor dem Panorama der Harzberge ein mondänes Ambiente mit eleganten Hotels, Spielcasino, Pferderennbahn und ausgedehnten Kuranlagen. Man setzte auf ein gehobenes Publikum aus Aristokratie und Geldadel. Da mußte natürlich ein zugkräftiger Name her. Mit der Ernennung zum Bad 1892 erfolgte dann auch der Namenswechsel. – Heute präsentiert sich Bad Harzburg als »Wellness-Wanderland«. Besonders bei Erkrankungen des Bewegungsapparates ist eine Harzburger Kur angesagt. Arthrosen, Gicht, Rheuma sowie Herz- und Kreislauferkrankungen  gehören zu den Krankheitsbildern, die mit der Harzburger Sole gelindert werden.

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